Die Reiterspiele Sa Sartiglia in Oristano, Sardinien

Su ComponidoriDie italienische Insel Sardinien kennt viele traditionelle Feste und Veranstaltungen. Eines der größten Ereignisse ist die fast 500 Jahre alte „Sa Sartiglia“ in Oristano im Westen Sardiniens. Dieses Reiterturnier, mit über 100 Reitern, findet am letzten Sonntag und Dienstag des Karnevals statt.

An einem kühlen, aber sonnigen Sonntagmorgen im März ist es endlich soweit. Wir hatten eine Menge über Sa Sartiglia gehört, Bilder und Filme im Fernsehen und Internet gesehen, aber nun endlich ist es soweit und wir können das Spektakel selbst erleben.

Festliche Betriebsamkeit
Obwohl die Spiele erst am Mittag beginnen, herrscht am Morgen bereits eine festliche Betriebsamkeit in der Stadt. Die Straßen sind voll mit Ständen allerlei Waren: Holzschnitzereien, traditionelle Launeddas Flöten, handgefertigte Sättel, Glocken in allen Formen und Größen für die vielen Schafe auf Sardinien. Vom berühmten Nougat (torrono di Tonara) bis zu Vernaccia Wein und natürlich alle Arten von Süßigkeiten. Wir schlendern umher, naschen hier etwas, bekommen dort ein Getränk angeboten bis schließlich die Prozession eintrifft. Ein Herold, verliest die Ankündigung der Sartiglia. Kurz darauf erscheint „Eleonora“, die Schirmherrin, mit ihrem Gefolge gekleidet in prachtvollen Kostümen.

junge FrauenRingreiterstechen
Inzwischen ist es Zeit, unseren Platz auf der Tribüne entlang des Parcours für das Ringreiterstechen aufzusuchen. Wir bekommen einen großartigen Aussichtsplatz gleich hinter dem „Stern“( das ist der Ring, der getroffen werden soll.). Anführer der Sternenreiter ist der Su Componidori. Nach rituellem Brauch ist er von einer Gruppe junger Frauen eingekleidet worden in ein besonderes, fast feminines Kostüm. Vor allem der Schleier, der Zylinder und die Maske machen dies aus. Nach der Überlieferung darf der Su Componidori den ganzen Tag den Boden nicht berühren, so wird er auf sein Pferd gehoben, um zum Wettstreit zu reiten.

ReiterKostüme und Masken
Den Trommlern und Trompetern und einer langen Prozession aus Folkloregruppen ganz Sardiniens, alle in den farbenfrohen Trachten ihres Dorf oder ihrer Region, folgend, präsentieren sich die Reiter nun der Öffentlichkeit. Alle Reiter sind in Dreiergruppen formiert, gekleidet in die gleichen Kostüme, die Pferde mit schönen bunten Rosetten verziert. Sehr speziell ist, dass alle Reiter eine Maske tragen. Für die Zuschauer hat dies einen befremdlichen Effekt, denn Mimik und Emotionen der Reiter sind nicht erkennbar.

RingstechenDer Wettbewerb beginnt
Der Su Componidori eröffnete das Spiel, indem er mit einem seiner Sekundanten drei Mal die Schwerter kreuzt, jetzt kann das Ringreiterstechen beginnen. Wenn ein Reiter an den Start geht, erschallt ein Trompetensignal, so dass jeder weiß, jetzt geht es los. Und obwohl wir das Ringstechen viele Male im Fernsehen gesehen haben, wissen wir nicht, wie uns geschieht! Die Zuschauer toben vor Begeisterung und ermutigen die Reiter sich im wilden Galopp dem Stern zu nähern. Glückt es einem Reiter den Stern auf seinem Schwert aufzufädeln, bricht ein ohrenbetäubender Applaus aus. Verfehlt der Reiter den Stern gibt es ein lautes „ooohhhh“. Man kann nicht anders als diese Männer und Frauen auf ihren feurigen Pferden zu bewundern! Welch eine Geschwindigkeit, was für eine Geschicklichkeit!
Wenn einem Reiter die Eroberung eines Sterns gelungen ist, reitet er unter lautem Jubel aus dem Publikum zur Haupttribüne, wo er eine Brosche in Form eines Sterns erhält. Bei der enormen Geschwindigkeit der Pferde ist es nicht leicht einen Stern zu ergattern, an diesem Sonntagnachmittag sind nur 20 gewesen.

Die Pariglia
Nach dem Ringstechen beginnt der zweite Teil des Wettkampfs. Wir überlassen uns dem Strom des Publikums und gelangen zu einer langen, geraden Straße, wo der Parcours der Pariglia liegt. Die Reiter reiten nun mit ihrem Trio als Team. Die drei Pferde kommen, teilweise mit einem Seil miteinander verbunden, im gestreckten Galopp zum Tor am Anfang der Straße. Sie stürmen Flanke an Flanke über den Parcours und während dieses halsbrecherischen Rennens zeigen die Reiter verschiedene akrobatische Figuren. Sie stehen auf dem Rücken der Pferde, ein Reiter klettert auf die Schultern der anderen beiden. Einige Reiter machen sogar einen Handstand auf den Schultern ihrer Partner. Dieses fast beängstigende, großartige Spektakel spielt sich in nur 5 Meter Entfernung von uns ab! Das Publikum ist nun völlig ausgelassen und umjubelt die „cavelieri“ als ihre Helden.
Als der Abend hereinbricht, ist leider alles vorbei, der Su Componidori verlässt die Stadt mit seinem Gefolge.

Schöner Abschluss
Ein wenig noch durch die Ereignisse des Tages benommen, beschließen wir, einen Drink zu nehmen und schlendern durch die Stadt. Mittlerweilen steigen in allen Gassen und an allen Straßenecken herrliche Düfte auf, denn das Essen wird bereitet. Wir gönnen uns ein Stück köstlich gebratenes Fleisch mit einem leckeren Glas Wein. Immer noch geht es lebhaft in den Straßen zu, so dass wir ein wenig spazieren gehen bis unsere Neugier von typisch sardischer Musik, einem Sänger, einer Trommel, einem Akkordeon und einer Launeddas Flöte, die ähnlich einem Dudelsack klingt, geweckt wird. Wir kommen an einen großen Platz, wo die Musiker auf einer Bühne spielen. Der Platz ist komplett voll, alle stehen im Kreis und halten sich an den Händen. Gemeinsam wird getanzt, der echte Balla Sardo oder auf sardisch Su Ballu Sardu genannt. Kleine Schritte, den Oberkörper ruhig gehalten, nur die Beine oder eigentlich nur die Füße, tanzen. Was für eine großartige Erfahrung, jung und alt, vereint, als ob ihr Leben davon abhängt, auf Anweisungen des Sängers zu tanzen. Welch ein schöner Abschluss für einen meiner aufregendsten Tage meines Lebens!

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2012 findet die Sa Sartiglia vom 19. bis 21. Februar statt.

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